Ist es doppelzüngig, bei Amazon, Zalando und Co einzukaufen und gleichzeitig die Globalisierung zu kritisieren?

Ja und nein.
Es kann sehr doppelzüngig sein, aber muß nicht.

Doch bevor man darüber debattiert, ist die andere Frage ersteinmal, ob es überhaupt schädlich ist, global zu bestellen.
Schadet die Globalisierung wirklich?

Die Kernfrage ist daher ersteinmal eine andere.

Nützt es beispielsweise den Einwohnern von Pakistan oder der Türkei, wenn man dort produzierte Kleidung kauft?
Oder anders gefragt:
Tut man überhaupt etwas Gutes, wenn man Kleidung ablehnt, die im Ausland, z. B. in Schwellenländern, produziert wurde?

Hilft man damit den Einwohnern dort?
Oder schadet man nicht gar viel mehr?

Und hier bei dieser Frage ist doch klar festzustellen, daß natürlich es durchaus für die dort lebenden Leute gut sein kann, wenn dort fabrizierte Kleider gekauft werden.
Wenn Kaufkraft, Geld ins Land fließt zu diesen Orten, zu diesen Leuten.

Wie werden die Kleider produziert?

Die Frage, die sich ein Konsument in der Schweiz aber dabei stellen muß, ist zu welchen Lebensbedingungen produziert wurde.

Kinderarbeit gab es auch in Europa und auch in der Schweiz und galt nicht als anrüchig. Es ist zu einfach, auf Schwellenländer und Entwicklungsländer mit dem Finger zu zeigen und dort einfach gar nicht zu kaufen.

Kinderarbeit gab es auch in Europa und auch in der Schweiz und galt nicht als anrüchig. Es ist zu einfach, auf Schwellenländer und Entwicklungsländer mit dem Finger zu zeigen und dort einfach gar nicht zu kaufen.

Wer ein billiges Kleidungsstück in der Migros, bei Coop, im Aldi oder sonstwo in der Schweiz kauft, das zu menschenunwürdigen Bedingungen produziert wurde, ist keinen Deut besser als der, der mit Mausklick im Internet via Amazon bestellt. Im Gegenteil.

Daher legen Konzerne wie die obgenannten inzwischen großen Wert darauf, zu zeigen, daß Kleider, die bei ihnen gekauft werden, menschenwürdig produziert wurden.

Und auch Umweltschutz ist ein Aspekt.

Nicht nur der Umwelt im fernen Ausland wegen.

Sondern weil die Konsumenten Angst haben vor “verseuchter”, schädlicher Kleidung und sie nicht kaufen wollen.

Wer will schon Kleider tragen, die vor Chemie nur so triefen?

Fazit

Es kann sogar der besser sein, der bei Amazon ein zu fairen Arbeitsbedingungen produziertes, umweltgerecht hergestelltes ausländisches Produkt kauft.

Und es kann auch besser sein moralisch, ein im Ausland produziertes Kleidungsstück bei Lidl oder sonstwo in der Schweiz zu kaufen.

Per se zu sagen, wer im Ausland kauft oder wer per Mausklick Kleidung kauft, sei schlecht, fördere die Globalisierung, das ist in meinen Augen in Zeiten der Digitalisierung weder zukunftsträchtig noch zielführend.

Und es hilft auch nicht den Leuten in den Herstellerländern, wenn man dort nicht bestellt. Es kommt drauf an, was man bestellt.